Griff in die Geschichte (68) - Januar 2026

Caspar Voght (1752–1839) und seine „ornamented farm“ – 1785/86 Erwerb erster Ländereien in Flottbek

von Lilja Schopka-Brasch

Jetzt
VHG-Mitglied werden!

Seit den 1770er Jahren wurde das Elbufer westlich von Altona für Hamburger und Altonaer Kaufleute attraktiv. Sie ließen sich prächtige Landsitze mit ausgedehnten Parkanlagen im Stil englischer Landschaftsgärten errichten. Die Aussicht vom Hohen Elbufer gefiel auch dem Kaufmann Caspar Voght (1752–1839), und so erwarb er 1785 und 1786 die ersten Bauernhöfe in Klein Flottbek, im damals dänischen Holstein. Auf einer Englandreise im Winter 1885/1886 besuchte er unter anderem den englischen Dichter William Shenstone auf dessen Landsitz „The Leasowes“, einer „ornamented farm“. Der als Aufklärer und Reformer charakterisierte Voght war begeistert von der Idee, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden – Landwirtschaft und Landschaftsgarten zu vereinen.

In Klein Flottbek fand er den Ort, wo er diese Idee umsetzen und eine „ornamental farm“ nach seinen Vorstellungen gestalten konnte. Er integrierte landwirtschaftliche Nutzflächen in eine abwechslungsreiche Parklandlandschaft, indem er dort etwa Kartoffel- und Haferfelder anlegen ließ oder Weideflächen für die Kühe. 1785 war das Dorf noch in zahlreiche kleine Parzellen aufgeteilt, doch Voght gelang es bis 1803 durch Zukauf weiterer Ländereien und geschickte Tauschaktionen ein großes zusammenhängendes Areal zu schaffen. Mit Osterpark, Westerpark, Norderpark (heute u. a. Loki-Schmidt-Garten) und Süderpark (heute Jenischpark) war es in vier „Koppeln“ unterteilt. Den Mittelpunkt bildete der Gutshof mit dem Landhaus, das Caspar Voght sich 1794 errichten ließ und das heute noch an der Baron-Voght-Straße steht.

Inspiriert wurde er zu dem frühklassizistischen Stil auf seiner Reise nach England, Schottland und Irland 1793-95. In Johann August Arens (1757–1806) fand er den idealen Architekten für die Umsetzung seiner Pläne. Auch Arens hatte sich mit der englischen Gartenkunst befasst, insbesondere mit der Harmonie von Landschaft und Architektur. Auf seinen Reisen betrieb Voght unter anderem landwirtschaftliche Studien, besuchte Gärten und Landgüter und brachte außer neuen Ideen auch landwirtschaftliches Gerät mit. Er führte moderne agrarische und wirtschaftliche Methoden ein, ließ auf seinem Mustergut landwirtschaftliche Experimente durchführen zur Verbesserung von Böden und Düngemittel und beschaffte moderne Ackergeräte und Maschinen.

Sein sozialreformerisches Engagement zeigte sich auch hier. Er bot seinen Tagelöhnern (Insten) gute Arbeits- und Lebensbedingungen wie überdurchschnittliche Löhne, zahlte bei Krankheit den halben Lohn weiter und übernahm die Arztkosten. Auch für die Witwen sorgte er. Gegenüber seinem Landhaus ließ er für seine Landarbeiter und ihre Familien so genannte Instenhäuser errichten, wo sie gegen eine geringe Miete wohnen konnten. Er stellte auch einen Lehrer ein, der ihre Kinder u. a. in Gesang und Musik unterrichtete.

Voght holte verschiedene Fachleute nach Flottbek, um seine Vorstellungen umsetzen zu können. So konnte er den Gärtner James Booth (1770–1814), der in der väterlichen Baumschule in Schottland Erfahrungen mit der Aufzucht von Bäumen und Sträuchern gesammelt hatte, dafür gewinnen, mit seiner Familie nach Flottbek zu übersiedeln und auf dem ihm zur Verfügung gestellten Land eine Baumschule zu betreiben. Dem Chemiker und Physiker Dr. Johann Gottfried Schmeißer (1767–1837) richtete er ein Labor für Agrikulturchemie ein, und seinen Pächter Lucas Andreas Staudinger (1770–1842) unterstützte er bei der Gründung der ersten landwirtschaftlichen Lehr- und Erziehungsanstalt 1797. Hier unterrichteten neben Staudinger auch Schmeißer, Booth und Johann Gottlieb Wolstein (1738–1820), der als Begründer der wissenschaftlichen Tierheilkunde gilt.

Caspar Voght erhielt viel Anerkennung für sein Mustergut, und für seine Verdienste um die Landwirtschaft wurde er 1796 vom dänischen König Christian VII. (1749–1808) zum Etatsrat ernannt. Doch trotz aller Innovationen und Maßnahmen zur Ertragssteigerung trug sich das Gut nicht. Schon der Erwerb der Ländereien war sehr kostspielig gewesen.

Voght hatte 1781 das Handelshaus seines Vaters übernommen, und gemeinsam mit seinem Jugendfreund Georg Heinrich Sieveking (1751–1799) bauten sie ihre Geschäftsbeziehungen aus, insbesondere den Handel mit den unabhängig gewordenen Vereinigten Staaten von Amerika. Auch erweiterten sie das Sortiment um Kolonialwaren wie Kaffee, Tabak und Zucker. Voght war ein erfolgreicher Kaufmann, aber seine Leidenschaft gehörte seinen reformerischen Projekten wie der Armenfürsorge, dem Gefängniswesen und nicht zuletzt der Landwirtschaft. 1793 übergab er die Geschäfte an Sieveking, bis auf den profitablen Handel mit Nordamerika, den er noch bis 1799 betrieb. Er war ein Gegner von Sklavenhandel und Leibeigenschaft, gleichzeitig bestanden Verbindungen des Voght und Sievekingschen Handelshauses zu wirtschaftlichen Strukturen des Kolonialismus und zumindest teilweise stammte Voghts Vermögen aus dem Handel mit Produkten aus versklavungsbasierter Plantagenwirtschaft. Ein bisher in der Forschung wenig beachteter Aspekt. Die Ausstellung „Parkomania. Unerzählte Geschichten aus dem Jenischpark“, die noch bis September 2026 im Jenisch Haus zu sehen ist, beleuchtet diesen näher.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, auch in Folge der französischen Besatzung, musste Voght 1828 seine Ländereien verkaufen. Der Käufer, Martin Johann Jenisch (1793–1857), ließ sich ein eigenes Haus bauen und gewährte Voght lebenslanges Wohnrecht im Landhaus. Dort starb Voght 1839.

Veröffentlichungen zum Thema in unserer Bibliothek (Auswahl):

Ahrens, Gerhard: Caspar Voght und sein Mustergut. Englische Landwirtschaft in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts (Beiträge zur Geschichte Hamburgs, 1), Hamburg 1969.
A.I.2 / 8.1

Schwarze, Reinhard: Lucas Andreas Staudinger – Thünens Lehrer und Freund, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter 13 (1997), S. 1-12.
A.I. 2 / 49

Heinrich Sieveking: Caspar Voght Schöpfer des Jenisch-Parks, ein Vermittler zwischen deutscher und französischer Literatur, in: ZHG 40 (1949), S. 89-123.
A.I.2 / 198

Kulenkampff, Angela: Caspar Voght und Flottbek. Ein Beitrag zum Thema „Aufklärung und Empfindsamkeit“ , in: ZHG 78 (1992), S. 67-101.

Voght, Caspar: Flotbeck in ästhetischer Ansicht. Hg. u. komm. von Ingrid Schoell-Glass. Hamburg 1990.
A.II.4.b / 21

Czech, Hans-Jörg / Petermann, Kerstin / Tiedemann-Bischop, Nicole (Hg.): Caspar Voght (1752–1839). Weltbürger vor den Toren Hamburgs. Petersberg 2014.
A.XIV.2 / 66

Woelk, Susanne: Der Fremde unter den Freunden. Biographische Studien zu Caspar von Voght, Hamburg 2000.
A.XIV.2 / 1849

Voght, Kaspar von: Lebensgeschichte (Hamburgische Hausbibliothek. Neue Reihe, zur hamburgischen Kulturgeschichte, 2), Hamburg 1917.
A.XIV.2 / 1850

Rüdiger, Otto: Ein Hamburgisches Lebensbild (Hamburgische Liebhaberbibliothek), Hamburg 1901.
A.XIV.2 / 1854