Vortragsprogramm – Frühjahr 2013
Gäste sind zu allen Veranstaltungen herzlich willkommen!
Bitte beachten Sie jeweils den Veranstaltungsort:
Der Vortragsraum der Staatsbibliothek befindet sich im 1. Stock
des Gebäudes der Staats- und Universitätsbibliothek, Von-Melle-Park 3
Der Lorichs-Saal befindet sich im Erdgeschoss des Staatsarchivs Hamburg, Kattungbleiche 19.
Veranstaltungsprogramm – Frühjahr 2013 herunterladen: Programm
Mittwoch, den 27. Februar, 18.00 Uhr - Vortragsraum der Staatsbibliothek
Inka Le-Huu: Anton Rée, ein Kämpfer für die soziale Emanzipation der Juden. Jüdisch-christliche Begegnungen im Hamburger Bürgertum
In Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Anton Rée (1815–1891) hat sich zeit seines Lebens für die Emanzipation der Juden eingesetzt. Sein Engagement galt dabei besonders der „socialen Emanzipation“. Darunter verstand man im 19. Jahrhundert die gleichberechtigte Teilhabe der Juden an allen Gesellschaftsbereichen. Dafür stritt Anton Rée als Pädagoge, Publizist, Politiker und Vereinsgründer. Mit welchen Anliegen konnte er sich durchsetzen und wo stieß er auf Widerstand? Das Wirken von Anton Rée gibt Aufschluss über die Aushandlungsprozesse, die um die Partizipation von Juden am öffentlichen Leben geführt wurden.
Inka Le-Huu, Historikerin, arbeitet an einem Promotionsvorhaben zur „Socialen Emanzipation der Juden“. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätskolleg der Universität Hamburg.
Mittwoch, den 20. März, 18.00 Uhr - Vortragsraum der Staatsbibliothek
Dr. Uwe Lohalm: Die Hamburger Sozialverwaltung als Verfolgungsinstitution 1933 bis 1945
In Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Die nationalsozialistische Fürsorge unterwarf Teile der deutschen Bevölkerung einem fortschreitenden Prozess der Marginalisierung und Ausgrenzung. Sogenannte Erbminderwertige, Gemeinschafts- und Rassenfremde wurden minder versorgt, zur Pflichtarbeit gepresst, in Teilen ausgeschlossen, zwangssterilisiert oder in den Tod geschickt. Der Vortrag weist auf, in welcher Weise die Hamburger Sozialverwaltung an diesem Verfolgungsprozess beteiligt war und mitwirkte an der Umsetzung einer von eugenischer Utopie, rigorosem Utilitarismus und ideologischem Rassenwahn geprägten Wohlfahrtspolitik.
Dr. Uwe Lohalm, Autor der Studie „Völkische Wohlfahrtsdiktatur“, der ersten grundlegenden Gesamtdarstellung der Hamburger öffentlichen Wohlfahrtspolitik im „Dritten Reich“, war bis 2004 Wissenschaftlicher Direktor an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg.
Mittwoch, den 24. April, 18.00 Uhr - Vortragsraum der Staatsbibliothek
PD Dr. Frank Bajohr: Hamburg und das "Dritte Reich". Rückblick und Ausblick
In Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
In den letzten Jahrzehnten ist kaum ein Aspekt nationalsozialistischer Herrschaft in Hamburg unerforscht geblieben. Teilweise haben regionalgeschichtliche Arbeiten über Hamburg sogar die NS-Forschung insgesamt paradigmatisch beeinflusst. Der Vortrag bilanziert den Ertrag vergangener „Aufarbeitung“ und fragt zugleich nach künftigen Forschungsfeldern und Perspektiven, die bislang nur unzureichend behandelt worden sind.
PD Dr. Frank Bajohr hat Geschichte und Sozialwissenschaften an der Universität Essen studiert und ist seit 1989 als Historiker an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und als Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg tätig.
Mittwoch, den 15. Mai, 18.00 Uhr - Vortragsraum der Staatsbibliothek
Arne Offermanns: "Die Wissenschaft mit dem Leben verknüpfen" - Hans Wolffheim, Begründer der Hamburger Exilliteraturforschung
In Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Der Literaturwissenschaftler, -kritiker und Autor Hans Wolffheim (1904–1973) erhielt bereits 1933 den Doktortitel, konnte aber – im NS-Staat als „Mischling ersten Grades“ verfolgt – erst ab 1945 an der Universität Hamburg arbeiten. In den 1950er- und 1960er-Jahren setzte er sich an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit für umstrittene Gegenwarts- und Exilautoren ein, als das einer universitären Karriere noch hinderlich war. Gegen Ende seines ungewöhnlichen Lebensweges begründete er 1970/71 die Arbeitsstelle für deutsche Exilliteratur der Universität Hamburg.
Arne Offermanns, Germanist und Träger des Joseph-Carlebach-Preises der Universität Hamburg, promoviert zu dem vergessenen Dichter Ernst Lissauer.
Mittwoch, den 29. Mai, 18.00 Uhr - Vortragsraum der Staatsbibliothek
Anna-Maria Götz: "Auf Friedhofsdauer" – Grabinszenierungen des hamburgischen Bürgertums um 1900
In Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Familiengrab als neuer Grabtypus etablierte, begann das aufstrebende Bürgertum, seine Grabmäler wie repräsentative Denkmäler „auf Friedhofsdauer“ zu inszenieren. Ausgehend vom Friedhof Ohlsdorf – dem größten Friedhof Europas – wird das Phänomen der weiblichen Grabplastiken vorgestellt, das im bürgerlichen Selbstverständnis um 1900 eine vielschichtige Rolle spielte. Mit Verweisen auf weitere europäische Städte wie Paris, Wien, Genua oder München lässt sich zeigen, dass Grabmäler nicht nur als Zeugnisse der zeitgenössischen Kunstgeschichte und Denkmalkultur zu verstehen sind – sie haben vielmehr das Potenzial, neue Einblicke in die Wechselwirkungen von Sozial- und Wirtschaftsgeschichte zu bieten.
Anna-Maria Götz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Hamburg, promovierte mit einer interdisziplinären Untersuchung zur europäischen Trauerkultur.
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Dr. Anna-Maria Götz: „Auf Friedhofsdauer“ – Grabinszenierungen des hamburgischen Bürgertums um 1900 |

